IAB Forum Logo

24. Juli 2017 | Erwerbsbeteiligung, Armut und Sozialpolitik

Mit kleinen Schritten aus der Langzeitarbeitslosigkeit

Hand zeichnet mit Edding eine Treppe und das Strichmännchen läuft diese Treppe hoch
Portrait von Dr. Carolin Freier
Carolin Freier hat am Institut für Soziologie über Langzeitarbeitslosigkeit promoviert. (Bild: Jutta Palm-Nowak, IAB)

„Bei bestimmten Menschen sind zunächst sozialintegrative Schritte nötig, die nachher zu einer mittel- bzw. langfristigen Integration in den Arbeitsmarkt führen können“, sagt Dr. Carolin Freier. Die Arbeitsmarktexpertin untersuchte in ihrer Dissertation, die an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Kooperation mit dem IAB im Rahmen des Forschungsprojektes „Soziale Aktivierung“ entstand, genau diese vorbereitenden Maßnahmen. Freier kommt zu dem Schluss: „Es ist wichtig, die Bereiche Soziale Arbeit und Arbeitsvermittlung miteinander zu verschränken und Fachkräfte der Arbeitsvermittlung sowie Betreuer bei Maßnahmeträgern stärker einzubeziehen.“ Als Beispiel nennt sie einen Wohnungslosen, der mit einer Art Coaching zunächst sensibilisiert wird, die Bedeutung des Faktors Zeit kennenzulernen. Dabei könne er etwa verinnerlichen, wie wichtig es ist, kürzere Anwesenheitszeiten einzuhalten oder den eigenen Tagesablauf zu strukturieren. Flankiert wird diese Maßnahme von Fachkräften der Sozialdienste und der Jobcenter. Ein anderes Beispiel ist die alleinerziehende Mutter, die es sich nicht zutraut, einen Job anzunehmen. Hier können etwa kleine Kaffeerunden mit anderen Alleinerziehenden der Startschuss zu einem positiven Selbstbezug sein, an dessen Ende ein „Ich schaffe es, wieder arbeiten zu gehen“ steht. „Es sind kleine Schritte auf dem Weg in eine spätere Bildungs- oder Arbeitsmaßnahme“, erläutert Carolin Freier. „Die Chance, sich vorzubereiten, liefert erst die Voraussetzung für einen Ein-Euro-Job.“

Persönlichkeit, Selbstbewusstsein und Sozialkompetenz stärken

Bei den sozialintegrativen Komponenten handelt es sich um persönlichkeitsstabilisierende Elemente, neuartige Kommunikationswege im Umgang mit Langzeitarbeitslosen und arbeitsmarktfernen Menschen sowie professionelle Unterstützung, um das Selbstbewusstsein und die Sozialkompetenz einzelner Arbeitsloser zu stärken. Die soziale Aktivierung soll zur umfassenden sozialen Teilhabe und Kommunikation mit anderen Menschen befähigen – ob im späteren Beruf oder im alltäglichen Privatleben. Sie bedeutet nicht, lediglich eine zweckgebundene Maßnahme wie zum Beispiel ein Bewerbungstraining durchzuführen, sondern folgt einem ganzheitlichen Ansatz.

Langzeitarbeitslose fassen Vertrauen

Ziel der vorbereitenden Maßnahmen ist es außerdem, dass zum Beispiel langzeitarbeitslose Messies, Drogensüchtige oder Menschen mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen sich öffnen und Vertrauen fassen. Andererseits sollen die Maßnahmen zur betreuten Entwicklung von Langzeitarbeitslosen beitragen. „Auf diese Weise gewinnen die Fachkräfte in den Jobcentern, bei den Maßnahmenträgern und bei den sozialen Diensten tiefere Einblicke, wie sie allein bei der Bearbeitung am Schreibtisch nicht möglich wären“, erläutert Freier. Die Maßnahmen wurden im Rahmen des Forschungsprojektes „Soziale Aktivierung – Social Activation“ untersucht. Das Projekt wurde geleitet von PD Dr. Markus Promberger (IAB), der auch Privatdozent am Institut für Soziologie der FAU ist. Die Fragestellung arbeitete Carolin Freier in einer Sekundäranalyse im Rahmen ihrer Dissertation an der FAU vertieft auf. Betreut wurde das Dissertationsprojekt von Prof. Dr. Rainer Trinczek, Dekan der Philosophischen Fakultät und des Fachbereichs Theologie, und Prof. Dr. Ingrid Artus vom Institut für Soziologie der FAU. Der Beitrag wurde von der Pressestelle der  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg herausgegeben und am 6. März 2017 auf deren Website veröffentlicht.

Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0):

https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Das könnte Sie interessieren

Junge Frau arbeitet im Team im Büro
Weiterlesen

10. August 2026 | Erwerbsbeteiligung, Armut und Sozialpolitik

Generation Z so häufig im Arbeitsmarkt wie junge Leute seit Jahrzehnten nicht

Timon Hellwagner, Enzo Weber

Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen ist seit 2015 deutlich gestiegen – ganz anders, als es gängige Klischees über die Generation Z vermuten lassen. Sie... Weiterlesen

Eine Männerhand baut eine Holzbrücke aus Miniaturklötzchen.
Weiterlesen

4. August 2026 | Arbeitsmarktpolitik

Förderinstrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt“: erste positive Befunde zur Beschäftigungssituation nach fünfjähriger Förderung

Nadja Bömmel, Zein Kasrin, Claudia Wenzig

Mit dem Instrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt” sollen Teilhabe und Beschäftigungsfähigkeit von besonders arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen durch eine maximal fünfjährige geförderte Beschäftigung verbessert werden. Eine... Weiterlesen

Vier runde Holz-Klötze, auf denen verschiedene Symbole zum Thema Qualifizierung abgebildet sind, liegen in einer Reihe auf einer blauen Fläche. Eine Hand greift nach dem Klötzchen mit dem Icon eines Doktorhuts.
Weiterlesen

13. Mai 2026 | Arbeitsmarktpolitik

Nur eine Minderheit der Personen ohne Berufsabschluss kennt Weiterbildungsprämie und Weiterbildungsgeld

Elisabeth Artmann

Vielen Menschen ohne Berufsabschluss sind die Fördermöglichkeiten, um diesen nachzuholen, nicht bekannt. Insbesondere die Weiterbildungsprämie und das Weiterbildungsgeld kennen nur relativ wenige Personen.... Weiterlesen