Serie „Arbeitskräftesicherung“
Es sind zwei Rekorde, die aufhorchen lassen: Im letzten Quartal des Jahres 2022 erreichte die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland mit nahezu 46 Millionen einen neuen Höchststand. Zugleich stieg die Zahl der offenen Stellen laut IAB-Stellenerhebung auf fast 2 Millionen – ebenfalls ein Allzeithoch. Dass die Betriebe selbst bei Rekordbeschäftigung so viele zusätzliche Stellen zu besetzen haben wie noch nie, unterstreicht den aktuell extrem hohen Bedarf. Anders als häufig angenommen resultieren die aktuellen Personalengpässe nicht oder nur zum kleineren Teil aus der demografischen Entwicklung. Denn bislang konnte der alterungsbedingte Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials durch eine positive Nettozuwanderung mehr als ausgeglichen werden. Das aber wird sich in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach ändern. Wenn die Babyboomer in den Ruhestand gehen, werden noch sehr viel mehr Ältere den Arbeitsmarkt verlassen, als Jüngere nachkommen. Zugleich wird die Erwerbsmigration aus anderen EU-Staaten deutlich zurückgehen, denn auch im Rest Europas altert die Erwerbsbevölkerung rasant und der Wanderungsdruck nimmt ab. Im Klartext: Die derzeitigen Engpässe am Arbeitsmarkt werden sich deshalb höchstwahrscheinlich schon in naher Zukunft massiv verschärfen. Dabei sind es keineswegs nur Fachkräfte, die in vielen Branchen fehlen. Auch im Helferbereich suchen immer mehr Betriebe händeringend nach Personal.
Die Sicherung von Arbeitskräften wird daher in den kommenden Jahren zur entscheidenden Herausforderung für private und staatliche Arbeitgeber. Dabei dürfen die bessere Erschließung des inländischen Arbeitskräftepotenzials – in quantitativer wie qualitativer Hinsicht – und die Steigerung der Erwerbsmigration aus dem Ausland auf keinen Fall gegeneinander ausgespielt werden. Deutschland ist auf beides dringend angewiesen, wenn es seinen wirtschaftlichen Wohlstand nicht preisgeben will. Zugleich sollte die Digitalisierung als Chance begriffen werden, dem drohenden Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken. So können insbesondere einfache Routinetätigkeiten und schwere wie auch gefährliche Arbeiten zunehmend durch digitale Technologien erledigt werden.
Auch die Wissenschaft ist gefordert, sich des Themas anzunehmen. Dies gilt auch und gerade für das IAB. Mit dieser Serie möchten wir unserer Leserschaft die zahlreichen Beiträge im IAB-Forum, die sich in der einen oder anderen Form der Frage der Arbeitskräftesicherung widmen, in gebündelter Form anbieten. Dabei werden es nicht dabei belassen, die Problematik in ihren vielfältigen Aspekten zu skizzieren, sondern auch den Versuch unternehmen, mit Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis mögliche Lösungswege aufzuzeigen.
Weitere Informationen zum Thema bietet das IAB-Themendossier “Fachkräftebedarf und Fachkräftesicherung”.
Bild: Batuhan Toker/stock.adobe.com
Alle Artikel zu: Serie „Arbeitskräftesicherung“

11. Mai 2023 | Betriebliche Arbeitswelt
IAB-Stellenerhebung 1/2023: 1,75 Millionen offene Stellen am Arbeitsmarkt
Alexander Kubis
Im ersten Quartal 2023 gab es bundesweit 1,75 Millionen offene Stellen. Gegenüber dem Vorquartal sank die Zahl der offenen Stellen um rund 237.000... Weiterlesen

2. Mai 2023 | Ältere
Der starke Anstieg der Erwerbstätigkeit von Älteren ist ganz überwiegend dem Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung geschuldet
Bernd Fitzenberger, Christian Hutter, Doris Söhnlein, Enzo Weber
Die Erwerbstätigkeit von Älteren, also in der Altersgruppe ab 50 Jahre, nimmt seit Mitte der 2000er Jahre deutlich zu. Dabei dominiert der Anstieg... Weiterlesen

6. April 2023 | Arbeitsmarkt im Strukturwandel
Alle Regionen in Deutschland altern – aber manche sehr viel stärker als andere
Anette Haas, Franziska Hirschenauer
Die Alterung der Bevölkerung trifft Deutschland regional höchst unterschiedlich. Dies gilt auch für die Alterung der Beschäftigten. So schwankt die Zahl der älteren... Weiterlesen

4. April 2023 | Ältere
„Ältere Minijobbende hat die Pandemie besonders hart getroffen“
Christiane Keitel
Von der Covid-19-Pandemie waren Über-60-Jährige mehrfach betroffen. Einerseits wegen des höheren Risikos für einen schweren Infektionsverlauf. Andererseits wegen des pandemiebedingten Einbruchs der Minijobs,... Weiterlesen

28. März 2023 | Arbeitsmarkt im Strukturwandel
Fach- und Arbeitskräftemangel … und es gibt ihn doch!
Bernd Fitzenberger
Trotz Rekordbeschäftigung, schwächelnder Konjunktur und über 2,5 Millionen Arbeitslosen hat der Mangel an Fach- und Arbeitskräften ein bisher ungekanntes Ausmaß erreicht. Er dürfte... Weiterlesen

17. März 2023 | Betriebliche Arbeitswelt
„Wir können es uns nicht leisten, dass leistungsschwächere Jugendliche ohne Ausbildung bleiben“
Jutta Winters
Im Video-Statement spricht IAB-Direktor Professor Bernd Fitzenberger über die Trends am deutschen Ausbildungsmarkt. Er erläutert, warum so viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben und wie... Weiterlesen

16. März 2023 | Corona-Krise
„Der digitale Graben zwischen den Betrieben ist in der Pandemie tiefer geworden“
Jutta Winters
IAB-Forscher Dr. Florian Lehmer konstatiert in Betrieben große Unterschiede in der digitalen Entwicklung während der Covid-19 Krise. Er skizziert die damit verbundenen Gefahren... Weiterlesen

9. März 2023 | Betriebliche Arbeitswelt
IAB-Stellenerhebung 4/2022: Neuer Rekord mit 1,98 Millionen offenen Stellen
Alexander Kubis
Im vierten Quartal 2022 gab es bundesweit 1,98 Millionen offene Stellen. Damit wurde der Rekord vom zweiten Quartal dieses Jahres nochmals um 55.200... Weiterlesen

20. Februar 2023 | Bildung und Qualifizierung
Geförderte berufliche Weiterbildung von Arbeitslosen: abnehmende Eintritte trotz positiver Wirkung
Thomas Kruppe, Julia Lang
Die Bundesagentur für Arbeit fördert unter gewissen Voraussetzungen die Weiterbildung von Arbeitslosen. Ein Überblick über den Stand der einschlägigen Forschung zeigt: Berufliche Weiterbildung... Weiterlesen

